Ein Startup aus Münster, ein Nutzer-zentriertes Produkt – und ein EXIT, der nicht geplant war, sich aber genau richtig anfühlte: Mit FunnelBridge hat ein Accelerator-Alumni des Digital Hub münsterLAND den nächsten Schritt gemacht und wurde an das internationale HR-Tech-Unternehmen Tellent verkauft.
Doch mit dem Verkauf endet die Geschichte nicht: Die Gründer von FunnelBridge arbeiten weiterhin an ihrer Lösung – nun unter dem Dach von Tellent. Als Teil des internationalen HR-Tech-Unternehmens treiben sie die Integration ihrer Lösung in die Tellent Produktfamilie aktiv voran.
Der Start: Ein Produkt mit klarem Fokus
Gestartet ist FunnelBridge mit einer klaren Idee: Personalabteilungen dabei zu unterstützen, WhatsApp sinnvoll in ihre Recruiting-Prozesse zu integrieren. Die direkte Kommunikation beschleunigt Bewerbungen, erhöht Conversion-Raten und sorgt für verlässlichere Abläufe.
„Unsere Kunden konnten WhatsApp direkt in ihrer gewohnten Bewerbermanagement-Software nutzen – ohne Toolwechsel“, erklärt das Team. FunnelBridge wurde früh als tiefe Integration für Tellent Recruitee entwickelt. Das hatte gleich zwei Vorteile: einen klaren Produktfokus und die Möglichkeit, bestehende Tellent-Kund:innen schnell zu onboarden.
Tellents Schnittstelle für Integrationen ist nicht nur umfangreich auf der Produktseite, sondern auch besonders entwicklerfreundlich. Das macht es zu einem idealen Ökosystem für Startups im HR-Software Bereich.
Wachstum mit Struktur – der Weg in den Accelerator
Auf den Accelerator des Digital Hub münsterLAND wurde das Team schon früh aufmerksam. In der Münsteraner Startup-Szene gilt das Programm als feste Adresse für Skalierung, Mentoring und Vernetzung. Als FunnelBridge stark wuchs, war für die Gründer klar: Jetzt ist der richtige Zeitpunkt. CEO Simon Wagner betont:
Wir kannten den Accelerator schon länger – und das Büro am Hafen ist natürlich auch ein ziemlich guter Ort, um ein Startup weiter aufzubauen.
Simon, ehemals CEO bei FunnelBridge
Die Erwartungen an das Programm wurden nicht nur erfüllt, sondern übertroffen. Während der sechs Monate im Accelerator verdoppelte FunnelBridge sein Annual Recurring Revenue (ARR) und erhöhte die Wachstumsrate signifikant. Besonders wertvoll war dabei der Austausch mit anderen Startups – und das Arbeiten Tür an Tür im Coworking Space. Nach dem Accelerator-Programm mieteten sie ein eigenes Office im Digital Hub an.
Skalierung durch Product Led Growth
Für die Skalierung setzte das Team von FunnelBridge konsequent auf das Produkt selbst. Für aufwändige Marketingmaßnahmen fehlte in der frühen Phase schlicht die Zeit und die personellen Ressourcen. Stattdessen lag der Fokus darauf, ein intuitives Produkt zu entwickeln, das Kundinnen und Kunden schnell in die Lage versetzt, in ihrem Unternehmen unmittelbaren Mehrwert zu schaffen. Eine kostenlose Testphase ermöglichte es, alle Funktionen ausführlich zu erproben.
Ein prägender Moment auf dem Weg zum Erfolg war, als plötzlich eine Slack-Benachrichtigung auftauchte und uns mitteilte, dass ein Kunde das Produkt eigenständig eingerichtet und per Kreditkarte abonniert hatte. In diesem Moment wurde uns klar: Das System funktioniert.
Florian Wienecke, ehemals Head of Sales von FunnelBridge
Tellent: Vom Partner zum Käufer
Schon früh entwickelte sich ein vertrauensvolles und freundschaftliches Verhältnis zu Tellent. Die enge technische Integration machte die Synergien schnell sichtbar. Gemeinsame Webinare, Messeauftritte und Kampagnen folgten.
Im Dezember 2024 wechselte schließlich Florian Wienecke von Tellent zu FunnelBridge, um als Head of Sales einzusteigen – ein weiterer Schritt hin zu einer engeren Zusammenarbeit.
„Ein Exit war für uns nie geplant“, betonen die beiden. Kurz vor Weihnachten 2024 erhielten sie eine Einladung vom Executive Team von Tellent zu einem ersten Austausch. In diesem Moment entstand erstmals das Gefühl: Das könnte größer werden.
Der EXIT – und was danach kam
Heute ist FunnelBridge – umbenannt zu Tellent WhatsApp Hiring - als offizielles Add-on für Tellent Recruitee verfügbar. Beide Gründer wurden übernommen und arbeiten weiter an der Lösung: Florian verantwortet die Sales-Entwicklung, Simon die technische Integration.
Learnings für andere Startups
Rückblickend betonen die beiden: Ein EXIT ergibt dann Sinn, wenn durch den Zusammenschluss ein messbarer Mehrwert für das Produkt entsteht – und beide Seiten einen gemeinsamen Business-Plan verfolgen. Die größte Herausforderung in der EXIT-Verhandlung lag nicht in der Diskussion über den Kaufpreis, sondern in der Aufrechterhaltung des Wachstums während der Verhandlungen:
Die Verhandlungen ziehen sich über Monate, binden extrem viel Energie – und gleichzeitig muss das Tagesgeschäft perfekt weiterlaufen.
Ihre wichtigsten Erfolgsfaktoren:
- Radikale Ehrlichkeit zwischen den Foundern
- Eine konservative, profitable Finanzplanung
- Möglichst viel selbst zu bauen statt auszulagern
Unser Rat: Nicht auf einen Exit hinarbeiten, sondern auf Stabilität. Je weniger man einen Exit nötig hat, desto eher ist die Firma tatsächlich Exit ready.
Wie es jetzt weitergeht
Zehn Monate nach der Übernahme ist klar: Der Weg ist noch lange nicht zu Ende. Die technische Integration wurde weiter vertieft und stellt heute ein klares Alleinstellungsmerkmal im Markt dar. Das Arbeitsverhältnis bei Tellent ist unbefristet – und FunnelBridge, beziehungsweise Tellent WhatsApp Hiring wächst weiter.
Eine Erfolgsgeschichte, die zeigt, wie Fokus, Timing, Netzwerk und nachhaltiges Wachstum zusammenwirken können – und wie ein Accelerator-Programm Startups nicht nur beim Skalieren, sondern auch auf dem Weg zum EXIT begleiten kann.